28.05.2012
Torfestival zum Abschluss, doch die Löwinnen verloren leider nach toller erster Halbzeit
Nach dem 3:5 in Frankfurt beendet der FCR 2001 die Saison als Vierter
 FCR-Traner Marco Ketelaer konnte sich über viele gelungene Kombinationen freuen, war aber wegen der entscheidenden Abwehrfehler "sehr enttäuscht". FCR-Foto: Christian Mittelbach
Duisburg/Frankfurt (zi-). Der FCR 2001 Duisburg hat das letzte Saisonspiel vor beachtlichen 3420 Besuchern mit 3:5 (2:1) beim 1.FFC Frankfurt verloren und musste somit die Gastgeberinnen doch noch den dritten Tabellenplatz überlassen. FCR-Trainer Marco Ketelaer („Wir hätten mehr verdient als diesen vierten Platz!“) hatte vorher auf ein „lockeres Spiel ohne Zwänge“ gehofft und auf die Fortsetzung der FCR-Erfolgsserie in Frankfurt – ersteres funktionierte, zweiteres nicht.
Dieses Spiel war eine echte Werbung für den Frauenfußball, besonders durch die lange Zeit sehr überzeugenden Löwinnen, die mit leicht veränderter Formation begannen: links durfte Petra Hogewoning in ihrem letzten Spiel für den FCR verteidigen, Bresonik spielte vor der Abwehr, Laudehr auf der ‚10‘, Cengiz kam über den rechten Flügel (45 ganz starke Minuten!) und Popp komplettierte den Angriff neben Islacker.
Bevor diese Offensivformation aber mächtig ins Rollen kam, begann das Spiel mit einem Paukenschlag der höchst unangenehmen Art: Als gerade 90 Sekunden gespielt waren, entschied sich Saki Kumagai, doch einfach mal aus 25 Metern abzuziehen; Resultat: ein weltmeisterlicher Schuss, der Anke Preuß überraschte: 1:0 für die Gastgeberinnen, die damit erst einmal den dritten Tabellenplatz erobert hatten.
Bemerkenswert: Die Löwinnen waren keineswegs geschockt, sondern zeigten in einem völlig ausgeglichenen, offensiv geführten Spiel flüssige, sehenswerte Kombinationen wie schon lange nicht mehr – fast zwingend, dass sich aus dieser attraktiven Spielweise Torchancen ergeben: Schon Mandy Islacker und Alexandra Popp (frei vor Torfrau Kremer, 11./12.) sowie Gülhiye Cengiz (Pfostentreffer, 13.) hätten die Führung erzielen müssen.
Aber es zeichnet die Mannschaft in dieser Phase aus, dass sie auch diese Missgeschicke abschüttelt und munter weiter nach vorne spielt – mit durchschlagendem Erfolg: in der 18. Minute flankt Popp punktgenau auf Islacker und die Torjägerin, bisher nicht gerade als Kopfball-Ungeheuer bekannt, trifft mit einem herrlichen Kopfball-Heber. Nur zwei Minuten später können die rund 60 FCR-Fans schon wieder jubeln: erneut kommt ‚Poppi‘, halbrechts, Strafraumgrenze, zum Schuss, den Kremer mit Mühe abwehren kann, gegen den Nachschuss von Cengiz, volley aus 15 Metern, hat sie dann aber keine Chance mehr: 2:1 für die Löwinnen! Eine auf Grund der herrlichen Kombinationen absolut verdiente Führung, auch wenn Frankfurt nach schönem Zusammenspiel Maroszan/Smisek und der nachfolgenden Ecke zwei extrem gute Möglichkeiten zum Ausgleich auslässt.
„Wir waren spielerisch klar besser“
Bei hochsommerlichen Temperaturen lassen es beide Teams nach Wiederanpfiff ein wenig gemächlicher angehen, doch die erste Torraumszene hat gleich Folgen: Preuß kann zwar den präzisen Behringer-Schuss noch um den Pfosten drehen, doch die Ecke verwandelt Garefrekes unhaltbar mit einem wahren Kopfball-‚Hammer‘ (58.): 2:2! Und weiter geht das muntere Scheibenschießen; bereits drei Minuten nach dem Ausgleich gehen die Löwinnen durch eine gute Einzelleistung von Islacker im Strafraum, wobei sie sogar die Torfrau ausspielt, erneut in Führung, die aber nur kurz Bestand hat: Nachdem die Abwehr einmal nicht aufmerksam ist und den Angriff nicht entschlossen abwehren kann, erobert sich Behringer resolut den Ball an der Strafraumgrenze und knallt das Spielgerät perfekt und unhaltbar unter die Latte: 3:3 in der 66. Minute.
Jetzt ist Frankfurt richtig aufgewacht, hat – auch durch die prominenten Wechsel (Bajramaj, Crnogorcevic) – noch die nötige Kraft und spielt den letztlich verdienten Sieg nach Hause, wobei der vierte Treffer (dem auch noch ein klares Foul an Popp voraus ging) nicht unhaltbar war: Marozsan trifft mit einem Schrägschuss von der rechten Strafraumgrenze (80.); keine Abwehrchance für die FCR-Torhüterin dann aber zwei Minuten später, als Crnogorcevic beim nächsten Konter frei auf Preuß zuläuft und ohne Mühe den Endstand erzielt, 5:3.
Ketelaer war nach dem Spiel sehr bedrückt und „sehr, sehr enttäuscht; denn wir haben viel besser kombiniert als der Gegner und fußballerisch ein sehr gutes Spiel gezeigt, besonders in der ersten Hälfte. Wir haben Spielfreude bewiesen und viele Chancen herausgespielt – wobei die Betonung auf ‚herausgespielt‘ liegt, was in der Bundesliga bekanntlich nicht mehr selbstverständlich ist. Umso ärgerlicher, dass wir die Gegentore durch persönliche Fehler praktisch her geschenkt haben. So wurde die Mannschaft leider nicht für ihr gutes Spiel belohnt.“
FCR: Preuß; Wensing, Krahn, Neboli, Hogewoning (87. Silva); Cengiz; Bresonik, Laudehr (66. Groenen), Ando; Islacker (64. Müller), Popp.
Fotos vom Spiel
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