Die ZWEITE

22.05.2012
Tränenreicher Abschied aus Liga II: Remis in Meppen lässt die Löwinnen absteigen

Meppen/Duisburg (st) – Ein schwarzer Tag für den FCR 2001 Duisburg: trotz eines 1:1-Remis in Meppen ist die Zweitvertretung der Löwinnen in die Regionalliga West abgestiegen, denn im parallel ausgetragenen Spiel des FFC Oldesloe gegen den FSV Gütersloh kam es ebenfalls zu einem (höchst überraschenden) 1:1-Unentschieden. Damit bleibt das Team von Trainer Wilfried Tönneßen in der 2. Bundesliga Nord einen Punkt hinter den Norddeutschen auf dem 11. Platz und muss nun den schweren Gang in die 3. Liga antreten.

Die Ausgangsposition war klar: selbst ein Sieg ließ die Löwinnen nicht unbedingt die Klasse erhalten, man war vielmehr auf Schützenhilfe der Gütersloherinnen und des 1.FC Lübars (beim USV Jena II) angewiesen. Dabei begann alles sehr vielversprechend, denn die ersten Spielminuten gehörten klar den Duisburgerinnen, vor allem über Daria Streng und Madeline Gier ging viel in Richtung Meppener Tor. Eine erste Chance ergab sich für Gurbet Kalkan, die aus spitzem Winkel den noch abgefälschten Ball an den Außenpfosten setzte. Und nur zwei Minuten später ist es Streng, die eine schöne Einzelleistung mit einem fulminanten Schuss aus 17 Metern abschließt, Oude-Wesselink im Meppener Tor ist geschlagen – es heißt 0:1. Der Duisburger Druck hielt an, und kurz darauf gelangt nach einer Kombination von Streng und Kalkan der Ball zu Barbara Müller, deren Volleyabnahme von der Strafraumgrenze knapp über die Latte zischt.

Danach kam Meppen besser ins Spiel, ohne jedoch zunächst nennenswert vor das Duisburger Tor zu gelangen. Eine erste Hereingabe von der linken Seite fing Meike Kämper sicher ab. Inder 25. Minute ergab sich dann die erste Chance für Meppen, und es stand 1:1: Rohling hatte sich halbrechts im Zweikampf durchgesetzt, ging allein in den Strafraum und schob die Kugel aus zehn Metern an  der chancenlosen Kämper vorbei. Bis dahin hatte der FCR die Partie dominiert, doch dann gab es einen kleinen Bruch im Spiel. Wenig später ergab sich für die Hausherrinnen die Chance zur Führung nach einer schnellen Kombination vor dem FCR-Strafraum, doch Jäger donnerte den Ball aus 15 Metern halbrechts an die Latte. Bis zum Halbzeitpfiff war der Spielstand dann auch fast leistungsgerecht, allerdings war das Chancenübergewicht klar auf Duisburger Seite; Kapitänin Julia Debitzki hatte nach einem zu kurz abgewehrten Freistoß von Monika Gruteser noch eine gute Einschusschance, doch der Ball ging über das Tor. Zu diesem Zeitpunkt hielten die Löwinnen noch den  Relegationsplatz inne, denn Gütersloh führte in Oldesloe. Jena II schien bei einer 2:0-Führung gegen Lübars ohnehin nicht mehr erreichbar.

Zur Pause musste Töni reagieren, denn Geldona Morina war stark gelbrot-gefährdet; für sie kam Valentina Oppedisano ins Spiel. Besser wurde es jedoch nicht, im Gegenteil: Meppen stand nach zwei passenden Einwechslungen kompakter in der Abwehr, erarbeitete sich mehr Spielanteile und ließ so gut wie nichts mehr zu. Die gefährlicheren Aktionen ergaben sich nun auf der anderen Seite, und so musste Alice Hellfeier einmal in höchster Not nach einer weiteren Aktion von Jäger klären. Zwanzig Minuten vor Schluss kratzte Debitzki nach einer Verwirrung im FCR-Strafraum das Leder noch so eben von der Linie.

In der letzten Viertelstunde wurde es immer hektischer, da die Kunde vom Ausgleichstreffer der Oldesloer kam und dies auch zu den Akteurinnen durchdrang. Bei den Löwinnen lief nicht mehr viel zusammen, sie waren teilweise auch mit ihren Kräften am Ende, doch die letzten Reserven wurden mobilisiert. Oppedisano verfehlte nach einem Müller-Freistoß und einer Ablage von Gier mit einem Drehschuss das Ziel nur knapp, ebenso Streng nach einer zu kurz abgewehrten Ecke. Auf der anderen Seite sorgte neben der selten zu bremsenden Rohling die eingewechselte Burgheim für frischen Wind, und es waren die Emsländerinnen, die durchaus noch zu einem Treffer hätten kommen können, doch Meike Kämper parierte zweimal hervorragend gegen Jäger in der 1zu1-Situation und hielt den FCR im Spiel. Klar war allerdings, das hier nur ein eigener Treffer den Klassenerhalt sichern konnte – und so forderten einige Duisburger aufgebracht einen Strafstoß, als bei einem Zweikampf im Meppener Strafraum Barbara Müller zu Boden ging. Die Unparteiische Marina Wozniak entschied jedoch zu Recht auf Ecke. Kurz vor Schluss musste Oppedisano das Feld wieder verlassen, doch auch die Nachspielminuten brachten keinen zwingenden Duisburger Angriff mehr: es blieb beim Unentschieden.  Als unmittelbar danach das Ergebnis aus Oldesloe ebenfalls feststand, sanken die Löwinnen weinend auf das Grün der MEP-Arena und verharrten dort minutenlang wie versteinert. Bei der anschließend auf dem Rasen abgehaltenen Pressekonferenz lobte Trainer Wilfried Tönneßen den Kampfgeist der meisten seiner Akteurinnen, die sicher eins ihrer besseren Saisonspiele gezeigt hatten. Hierbei hob er ausdrücklich die agilen U17-Spielerinnen hervor. Die Mannschaft sei nicht hier und heute abgestiegen, denn die Ursache dafür sei vor allem in der desolaten Hinrunde zu suchen.

Gleichzeitig wurde bekannt, dass die erste Mannschaft durch die Heimniederlage gegen Turbine Potsdam ihre letzte minimale Chance auf einen Champions-League-Platz verspielt hatte. Der rabenschwarze Sonntag für den FCR konnte symbolhafter nicht enden, als sich bei Ankunft der Mannschaft in Duisburg dunkle Gewitterwolken über dem heimischen Gelände zusammenzogen.

Und am Folgetag wurde es noch bitterer: durch die Ankündigung des Hamburger SV, seine Frauenmannschaft zur neuen Saison zurückzuziehen und nur noch in der Regionalliga spielen zu wollen, entfällt wie in der vergangenen Saison das Relegationsspiel der beiden Zehntplatzierten der 2. Ligen. Nutznießer dessen ist jedoch leider nicht der FCR, sondern der FFC Oldesloe, der nun – wie auch der ETSV Würzburg im Süden – die Liga kampflos erhält. An die minimale theoretische Möglichkeit, dass hier ein Abstieg des FF USV Jena aus der 1. Liga noch für weitere Änderungen sorgen könnte, glauben sicher nur noch unverbesserliche Optimisten.

 

 

Das Spiel in Kürze:

SVM: Oude-Wesselink - Budde, Altevolmer (46. Meiners), B. Kappel, Rohling, K. Jäger, S. Schulte, Sieksmeyer (78. Burgheim), Lögering, Fennen (49. Börger), I. Kappel

FCR: Kämper – London, A. Hellfeier, Debitzki, Gruteser – B. Müller, Streng, Hertzenberg (74. Hochstein), Morina (46. Oppedisano (88. Harting)), Gier – Kalkan.

Zuschauer: 350

SR: Wozniak (Herne)

Tore: 0:1 Streng (5.), 1:1 Rohling (25.)

Gelbe Karten: I. Kappel, B. Kappel, Budde, Börger / Morina



 
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