UEFA-Cup
Uefa-Cup 2009: FCR 2001 Duisburg gewinnt im ersten Anlauf
Das Spiel am 22. Mai 2009 riss niemanden wirklich von den Sitzplätzen, das 1:1-Unentschieden auch nicht. Und trotzdem jubelten die über 28.000 Zuschauer in der Duisburger MSV-Arena, als die schwedische Schiedsrichterin Jenny Palmqvist das Spiel gegen Swesda-2005 Perm abpfiff. Der FCR Duisburg war nach dem 6:0-Sieg im Hinspiel erstmals in der Vereinsgeschichte Sieger des Uefa Women`s Cups. Der erste Titel in einer äußerst erfolgreichen Saison unter Trainerin Martina Voss.
Begonnen hatte das Abenteuer Uefa-Cup mit drei Spielen beim Vorrundenturnier Mitte Oktober in der Ukraine. Damals glaubten Mannschaft, Trainerin und Vereinsführung noch, das sei die schwierigste Reise, die es im Uefa-Cup geben könne. Da wusste aber auch noch niemand, dass der FCR das Endspiel erreichen und dass der Gegner dort Perm sein würde. Vermutlich kannten nicht einmal alle die Stadt in der Nähe des Urals.
Jedenfalls besiegten die Duisburgerinnen in der Ukraine WFC Naftochimik 5:1, UD Levante 5:0 und Bröndby IF 4:1. Da das Vorrundenturnier mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, hofften die FCR-Fans natürlich auf einen spannenden Viertelfinalgegner. Denn eines der Spiele würde ja in Duisburg ausgetragen.
Dass der Gegner dann der vielfache Deutsche Meister und amtierende Uefa-Cup Sieger 1. FFC Frankfurt war, ließ vielen Fans und Vereinsverantwortlichen zunächst den Schreck in die Glieder fahren. Sollte etwa, so die bange Fragen, nach dem verheißungsvollen Auftakt irgendwo im fernen Osteuropa in Frankfurt am Main schon Endstation sein?
Das Hinspiel in der Mainmetropole entschied Duisburg am 6. November überraschend deutlich mit 3:1 für sich. Nun begann man in Duisburg vom Halbfinale zu träumen. Nur die Besonnenen unter den Anhängern wiesen daraufhin, dass das Rückspiel gegen den Deutschen Meister erst noch gewonnen werden müsse. Doch der 1. FFC Frankfurt war auch gut eine Woche später im Homberger PCC-Stadion nur ein Schatten seiner selbst. Zwar gewann der FCR nur 2:0, aber das Halbfinale war erreicht und Ende März 2009 sollte der Gegner der französische Spitzenclub Olympique Lyon sein.
Vor 3400 Zuschauern gelang der Neuerwerbung Femke Maes in der 67. Spielminute der sehr wichtige Ausgleich im Hinspiel in Lyon. Damit war die Ausgangslage für das Rückspiel eine Woche später in Duisburg-Homberg geradezu ideal. Alles sprach jetzt für ein erreichen der Endspiele und eine schöne Reise nach Schweden. Denn niemand zweifelte ernsthaft daran, dass der schwedische Spitzenklub Umea IK die 2:0-Niederlage von Perm im heimischen Stadion mehr als egalisieren würde.
Trotz der guten Ausgangslage nach dem Unentschieden in Lyon waren die meisten beim FCR skeptisch oder zumindest nur vorsichtig optimistisch, was das Weiterkommen anging. Die Vorbereitungen für das Rückspiel stellten die Organisatoren im Verein vor noch nie gekannte Aufgaben. Die Vorgaben der Uefa für das heimelige PCC-Stadion waren schon nicht von schlechten Eltern. Aber schließlich wurde alles zur Zufriedenheit der Uefa geregelt und das Spiel ging problemlos über die Bühne. Am Ende stand der FCR Duisburg nach einem überzeugenden 3:1-Sieg gleich bei seiner ersten Uefa-Cup-Teilnahme im Endspiel. Und die Reise zum Hinspiel würde nicht nach Schweden führen, denn die Schwedinnen kamen zuhause nicht über ein 2:2-Unentschieden hinaus.
Das Hinspiel gewann der FCR Duisburg in Russland 6:0, so dass sich Mannschaft, Trainerin, Vereinsspitze und Fans bereits als Uefa-Cup-Sieger fühlten. Die einzige Unbekannte vor dem Endspiel war die Frage, würde das Rückspiel genügend Frauenfußballfans anlocken, so dass das Spiel in der wesentlich größeren MSV-Arena nicht vor leeren Rängen stattfinden würde. Diese Sorge zumindest war unbegründet. Über 28.000 Zuschauer wollten den FCR beim letzten Spiel im Uefa-Cup sehen und am Ende des Spieles als Titelgewinner feiern.
Der Führungstreffer für Perm in der 26. Spielminute durch Apanaschtschenko ließ die Fans für einen Augenblick still werden. Sollte es eine Sensation geben wie in Russland, nur mit umgekehrten Vorzeichen? Nein, sollte es nicht. Zwar gelang Annike Krahn in der Schlussminute der ersten Halbzeit lediglich der Ausgleich. Doch reichte das Unentschieden ja für den Gesamtsieg, auch wenn es kein schönes Spiel war, das die Zuschauer vor Begeisterung von den Plätzen gerissen hätte. Die zahlreichen MSV-Fans, die sich an diesem denkwürdigen Abend Frauenfußball in ihrer Arena anschauten, machten allerdings Stimmung als spiele der MSV gegen Bayern München. Kompliment den Fans des MSV!
Aber die Freude über den Pokal ließ die Erinnerung an das Spiel noch an dem Abend schwinden. Außerdem hatten Mannschaft und Fans keine Zeit, lange über das Spiel nachzudenken. Denn schon eine Woche später sollte es ins Berliner Olympiastadion gehen – zum Endspiel im DFB-Pokal gegen den zweiten großen Ligakonkurrenten, den 1. FFC Turbine Potsdam. Und den Titel hätte der Verein schließlich auch gerne an die Mündelheimer Straße geholt.







